KI ja. Aber wo landen dabei Ihre Daten?

Sie haben es vermutlich schon ausprobiert. ChatGPT, vielleicht auch Claude oder Gemini. Für einen Werbetext oder eine E-Mail funktioniert das erstaunlich gut. Und dann kommt der Moment, in dem Sie überlegen, das auch für den Betrieb zu nutzen. Für Kundenanfragen. Für Patientendaten. Für Mandantenpost.

Und da stockt es, zu Recht. Denn die entscheidende Frage ist nicht, was die KI kann. Die entscheidende Frage ist: Wo landen dabei Ihre Daten?

Darauf gibt es drei ehrliche Antworten, und keine davon ist für alle richtig.

Weg 1: Die großen amerikanischen Anbieter

ChatGPT, Claude, Gemini. Das sind die besten Modelle, die es derzeit gibt, und der Einstieg kostet fast nichts. Ihre Eingaben werden dabei auf den Servern eines amerikanischen Unternehmens verarbeitet.

Wichtig ist hier ein Unterschied, den viele nicht kennen: Die kostenlose App auf dem Handy und ein bezahlter Firmenzugang sind zwei verschiedene Welten. Bei den Gratis-Zugängen behalten sich Anbieter je nach Einstellung vor, Eingaben zur Verbesserung ihrer Modelle zu verwenden. Bei bezahlten Firmenzugängen gibt es Verträge zur Auftragsverarbeitung, Zusagen, dass Ihre Daten nicht zum Training verwendet werden, und teils die Möglichkeit, die Verarbeitung auf europäische Rechenzentren zu legen. Wer mit Betriebsdaten arbeitet und den Gratis-Zugang nutzt, hat die Frage nach dem Datenschutz schon beantwortet, nur nicht so, wie er denkt.

Zwei Dinge muss man trotzdem wissen, auch mit dem besten Vertrag. Erstens: Ein Vertrag bindet den Anbieter, nicht dessen Regierung. Nach amerikanischem Recht können US-Behörden von amerikanischen Firmen die Herausgabe von Daten verlangen, auch wenn der Server in Frankfurt steht. Zweitens: Das Abkommen, auf dem der Datenaustausch zwischen der EU und den USA rechtlich ruht, steht seit Sommer 2026 auf wackligen Füßen. Warum das so ist und was daraus folgt, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben: Was passiert, wenn das Datenabkommen fällt?. Die Kurzfassung für hier: Verlassen Sie sich bei empfindlichen Daten nicht darauf, dass dieser Weg dauerhaft trägt.

Weg 2: Anbieter mit Servern in Deutschland und Europa

Es gibt inzwischen KI-Angebote, die vollständig in deutschen oder europäischen Rechenzentren laufen, mit deutschen Verträgen und deutschem Ansprechpartner. Die Modelle dahinter sind oft offene Modelle, also frei verfügbare KI, die der Anbieter für Sie betreibt.

Der ehrliche Stand dazu: Die Qualität liegt je nach Aufgabe etwas hinter den amerikanischen Spitzenmodellen. Für viele Betriebsaufgaben, etwa Texte zusammenfassen, Belege auslesen oder Anfragen vorsortieren, reicht sie trotzdem völlig. Man zahlt hier weniger mit Geld als mit einem Stück Spitzenleistung, und bekommt dafür kurze Wege bei der Datenfrage.

Weg 3: Alles im eigenen Haus

Man kann KI-Modelle auch auf eigener Technik betreiben. Dann verlässt kein einziges Wort das Gebäude. Das ist die sauberste Antwort auf die Datenfrage, und die teuerste: Es braucht passende Hardware, jemanden, der sich kümmert, und man arbeitet mit kleineren Modellen als in der Cloud. Für die meisten kleinen Betriebe ist das der falsche erste Schritt. Interessant wird es, wenn besonders empfindliche Daten dauerhaft und in Menge verarbeitet werden sollen.

Und die chinesischen Anbieter?

Die gibt es auch, und sie sind gut und auffällig günstig. Modelle wie DeepSeek oder Qwen spielen technisch inzwischen weit vorn mit. Beim direkten Dienst laufen Ihre Eingaben allerdings über Server in China. Dort haben Behörden weitreichende Zugriffsrechte, und ein Datenschutzabkommen mit der EU gibt es nicht. Unsere Regel dafür ist einfach: Dorthin geht nur, was auch öffentlich sein dürfte. Wir selbst lassen zum Beispiel ein chinesisches Modell unseren eigenen Programmcode gegenlesen, als zweite Meinung, gerade weil diese Modelle an manchen Stellen andere Wege gehen und ihnen dadurch andere Dinge auffallen. Kundendaten sind da keine drin.

Eine Besonderheit lohnt den Blick: Viele chinesische Modelle sind offene Modelle. Man kann sie also auch bei einem deutschen Rechenzentrum oder auf eigener Technik betreiben. Dann ist es kein chinesischer Dienst mehr, sondern Weg 2 oder Weg 3. Entscheidend ist nie, wo ein Modell herkommt. Entscheidend ist, wo Ihre Daten hingehen.

Die Faustregel: Nach Daten sortieren, nicht nach Technik

Die Frage ist nie, welcher Weg der beste ist. Die Frage ist, welche Daten Sie in der Hand haben.

Texte ohne Personenbezug, etwa Produktbeschreibungen, Blogtexte, allgemeine Vorlagen: Da spricht wenig gegen die großen Anbieter, auch im Gratis-Zugang.

Kundendaten, also Namen, Adressen, Aufträge: Da gehört ein bezahlter Zugang mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung dazu, und man sollte wissen, wo verarbeitet wird. Das ist Papierkram, aber machbarer Papierkram.

Patientendaten, Mandantendaten, alles unter Berufsgeheimnis: Da gilt die strengste Stufe. Europäische Verarbeitung oder eigenes Haus, und vorher eine saubere Prüfung. Hier hört unsere Zuständigkeit übrigens ehrlich auf: Wir sagen Ihnen genau, wo welche Daten liegen und wer vertraglich Zugriff hat. Die rechtliche Bewertung für Ihren Fall macht Ihr Datenschutzbeauftragter oder Anwalt. Jeder, der Ihnen pauschal Konformität verspricht, verkauft Ihnen etwas.

Und aus der wackligen Rechtslage folgt noch eine Konsequenz, die weniger mit Jura zu tun hat als mit Handwerk: Bauen Sie so, dass Sie den Anbieter wechseln können. Wer seine Abläufe über saubere Schnittstellen vom KI-Modell trennt, tauscht das Modell im Zweifel in ein paar Tagen aus, wenn ein Abkommen fällt oder ein Anbieter die Bedingungen ändert. Wer alles fest mit einem einzigen Anbieter verdrahtet, steht dann vor einem Umbau. Die Abkommen kommen und gehen, Ihr Betrieb bleibt.

Was wir selbst machen

Bei uns laufen tatsächlich alle drei Wege, je nach Aufgabe. Unsere Infrastruktur, also Arbeitsabläufe, Datenbanken, Statistik, liegt auf eigenen Servern bei einem deutschen Anbieter. Für Textaufgaben ohne Kundendaten nutzen wir Claude, ein amerikanisches Spitzenmodell, über einen bezahlten Zugang mit Vertrag. Wo Daten in Deutschland bleiben sollen, läuft die KI auf deutschen Servern, zum Beispiel bei IONOS für den Chat in unserem Bestellsystem für Restaurants. Und für manche Aufgaben betreiben wir Modelle gleich auf eigener Technik, dann verlässt nichts das Haus. Was Ergebnisse angeht, gilt überall dasselbe: Erst prüft ein Mensch, dann wird es verwendet.

Diese Mischung ist kein Kompromiss aus Verlegenheit. Sie ist das Ergebnis genau der Sortierung von oben: beste Qualität dort, wo die Daten es erlauben, kurze Wege dort, wo es empfindlich wird. Wir empfehlen Ihnen also keinen Weg, den wir nicht selbst gehen.

Reden wir über Ihren Fall

Welche Daten haben Sie, und was wollen Sie damit erledigen? Das klären wir in einem Gespräch, und danach wissen Sie, welcher der drei Wege zu Ihrem Betrieb passt. Manchmal ist die Antwort auch: gar keiner, noch nicht. Auch das sagen wir Ihnen.

Telefon: 02043 9218990. Oder Sie buchen direkt einen Termin über unsere Website.


Für die, die es genau wissen wollen: Vertrag zur Auftragsverarbeitung heißt im Fachdeutsch AVV nach Art. 28 DSGVO. Die großen US-Anbieter bieten ihn in den Bezahl- und Firmentarifen an, teils mit wählbarer Verarbeitungsregion in der EU. Offene Modelle wie Llama, Mistral, DeepSeek oder Qwen lassen sich bei deutschen Rechenzentrumsanbietern betreiben, wir nutzen dafür unter anderem IONOS, oder auf eigener Hardware mit Grafikkarte. Unsere eigene Infrastruktur läuft auf Servern in Deutschland; angebunden wird alles per Schnittstelle, nicht über Browser-Konten, und so, dass Modelle austauschbar bleiben. Die rechtlichen Einzelheiten zu CLOUD Act und Datenabkommen stehen im Beitrag Was passiert, wenn das Datenabkommen fällt?.

Lassen Sie uns über Ihre Abläufe sprechen

Ein kurzes Gespräch reicht meist, um zu sehen, wo Software Ihnen Arbeit abnehmen kann. Kostenlos und unverbindlich.

+49 2043 9218990

Schreiben Sie uns

Termin buchen